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_Norbert Riechmann über FdB 1985_

Franz de Byl - Solo

Wir warten auf ein Konzert, Franz de Byl Solo. Ein Mann und seine Gitarre, allein auf der Bühne. Das erinnert zunächst an Kammermusikalisches. Man stellt sich eine leise, nachdenkliche Musik vor und lehnt sich entspannt zurück - alles Quatsch. Schon beim Hinsehen fallen etliche Dinge auf, die nicht in's Klischee passen. Zunächst eine Menge Pedale, Kisten und Kästen und viele bunte Lämpchen. Wer selbst Gitarre spielt, wird sich wohl auch über das dicke Kabel wundern, das aus der Gitarre kommt... Dann kommt der Mann auf die Bühne, die wie festgewachsen wirkende Zigarette im Mundwinkel (**), nimmt die Gitarre und dreht ein paar Knöpfe: Die ersten Töne. Dann setzt die Band ein. Falsch! Wie schon gesagt, ein Mann und seine Gitarre! Wer ihn noch nie gehört hat, kann sich kaum vorstellen, welche Klangfülle, welche Menge von Tönen, welche Gewitter Franz de Byl aus dieser so harmlos wirkenden Gitarre holt. Da wechseln gefühlvolle, balladeske Songs - de Byl singt mit rauher, kraftvoller, bluesig gefärbter Stimme- mit treibenden, virtuosen Ostinati im Bass, die von geschmeidigen Soli überlagert werden. Man kann sich wirklich kaum vorstellen, dass das alles live sein soll, wird an Sequencer und Ähnliches erinnert, so voll, so farbig und vielstimmig ist diese Musik. Und doch ist die Erklärung für diese Vielfalt relativ leicht nachvollziehbar: In jahrelanger Bastelarbeit entstand zunächst ein Pickup, das jede Saite einzeln abnimmt und jeder per Mischpult individuelle Charakteristika zuordnen lässt. Dazu kamen im Laufe der Zeit ein Echogerät für das Kanonspiel, das inzwischen zum Markenzeichen geworden ist, etliche kleine Kästchen für alle erdenklichen Effekte und nicht zuletzt eine individuelle Routine, mit dieser (komplett analogen!) Elektronik umzugehen. Es wäre aber falsch, sich einen Bastler vorzustellen, der auch Gitarre spielt, denn gerade durch seine hohe Musikalität und seine spieltechnischen Fähigkeiten macht Franz de Byl diesen Elektronikwust erst sinnvoll. Übrigens: Seine Musik klingt nicht nach Elektronik, sondern nach mehr!

(Norbert Riechmann 1985)

 

(**) Franz de Byl hat am 24.12.2006 das Rauchen eingestellt und seit diesem Tage nicht eine einzige Zigarette mehr geraucht.